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Sponge Cities in Berlin – Wie Schwammstädte Umweltprobleme im Klimawandel lösen

Wenn Starkregen auf die asphaltierten Straßen einer Großstadt trifft, führt das nicht selten zu Überschwemmungen. Architekten legen Neubau-Viertel daher heute als Sponge Cities (übersetzt „Schwammstadt“ Anm. d. Red.) an, um das Hochwasserrisiko zu minimieren. In Deutschland gilt Berlin als beispielgebend, hier entsteht zurzeit das Schumacher Quartier, die größte Schwammstadt weltweit. Mit welchen Maßnahmen dieses zukunftsweisende Immobilien-Projekt auf veränderte Wetterbedingungen im Klimawandel vorbereitet wird, erklären wir in diesem Blog.

Im vergangenen Jahr ereigneten sich einige der heftigsten Unwetterkatastrophen seit Jahrzehnten. Ob in den USA, in China oder Deutschland, die Folgen des Klimawandels sind weltweit sichtbar. Hochwasser kann die gesamte Infrastruktur einer Großstadt lahmlegen. Viele Städte liegen in direkter Wassernähe. Deiche, Stauseen, Sperren und Dämme sollen sie vor steigenden Wasserpegeln schützen, Starkregen kann aber dazu führen, dass diese Verteidigungslinien nicht standhalten.

pexels/Chris Kane

Wenn ein Regenguss über einer Stadt niedergeht, wohin fließt das Wasser? Die üblichen Beton- und Asphaltoberflächen, die moderne Stadtbilder prägen, sind wasserundurchlässig, es wird an den Oberflächen entlang in Gullies geleitet. Durch unterirdische Rohrsysteme fließt es zu einem Kanal, See, Ozean oder zu einem Reservoir. Diese Systeme sind aber schnell überlastet.

In der Folge begannen Stadtplaner, den Umgang mit Wasser neu zu überdenken. Kommunen investieren heute zunehmend in Maßnahmen, die Regenwasser nutzbar machen. Eine an den Klimawandel angepasste Stadt speichert Sturmwasser zur Bewässerung von Grünanlagen. Wird Wasser lokal bewirtschaftet, entlastet das die Kanalisation.

In Berlin entsteht die weltweit größte Schwammstadt

In Deutschland setzt die Stadt Berlin bei der Realisierung von Schwammstadt-Maßnahmen neue Maßstäbe. Bereits vor 25 Jahren entstand ein Musterprojekt im Ortsteil Adlershof, hier sorgen grüne Mulden zwischen Straßen und Gehwegen dafür, dass Regenwasser vor Ort versickern kann. Grünflächen liegen tiefer und die Dächer der Gebäude sind begrünt, damit Wasser sich dort sammeln kann.

In den Neunzigerjahren geplante Projekte in der Rummelsburger Bucht, am Potsdamer Platz und in Karow-Nord setzten ebenfalls auf die intelligente Nutzung von Regenwasser.

Für das im Bau befindliche Quartier 52° Nord in Grünau wenden die Planer gleich mehrere Schwammstadt-Maßnahmen an.

Neubauprojekt 52 Grad Nord. Bild: BUWOG

Das nachhaltige Wohnviertel an der Dahme mit Hunderten Wohnungen und Reihenhäusern wurde um ein 6.000 Quadratmeter großes, künstlich angelegtes Wasserbecken gruppiert, das den optischen und ökologischen Mittelpunkt der Anlage bildet. Die drei Abschnitte des Reservoirs fangen Regenwasser auf, das durch Uferpflanzen biologisch gereinigt wird. Fische und Wasservögel sollen dort einen Lebensraum finden. Bei Starkregen fließt das überschüssige Wasser in den Fluss. Die Planung wurde für hohe Nachhaltigkeit und das architektonisch stimmige Konzept mit dem Iconic Award 2020 ausgezeichnet. Die Fertigstellung ist für 2023 vorgesehen.

Leuchtturm-Projekt Schumacher Quartier

Als Leuchtturm-Projekt gilt das neue Schumacher Quartier auf dem ehemaligen Gelände des Flughafens Tegel im Norden Berlins. Die größte Schwammstadt weltweit wird über 10.000 Menschen in rund 5.000 Wohnungen ein Zuhause bieten. Die »wassersensible Quartierentwicklung«, weitgehend verkehrsberuhigt geplant, nutzt Freiflächen nicht nur für die Freizeitgestaltung der Bewohner, sondern auch zur Biotopentwicklung und dezentralen Regenwasserbewirtschaftung. Grünflächen werden mit Fotovoltaik-Elementen versehen. Bepflanzte Dächer sind als Verdunstungsflächen angelegt, Regenwasser wird im Kaskaden-Prinzip möglichst lange zurückgehalten. Begrünte Fassaden und die Vegetation in den Gärten reduzieren die Hitzeentwicklung im Sommer. Der erste Bau-Abschnitt soll 2027 fertiggestellt sein, das Quartier bis Mitte der 30er-Jahre.

Mit gespeichertem Wasser durch trockene Sommer

Die Stadt Berlin verpflichtet Bauherren neuerdings zu modernem Wassermanagement, das gilt für Neubauprojekte ebenso wie für Sanierungen von Bestandsimmobilien. Regenwasser soll nicht mehr abgeleitet werden, sondern vor Ort bleiben. Die im Jahr 2018 gegründete Regenwasseragentur berät zu möglichen Maßnahmen, deren Ziel es ist, Sturmwasser von der Kanalisation abzukoppeln, denn hier entsteht bei Starkregen das gesundheitsschädliche Mischwasser.

pexels/Bob Clarke

Das Programm „1.000 Grüne Dächer“ fördert deren Begrünung mit Zuschüssen. Aktuell sind nur rund fünf Prozent der Dachflächen in Berlin bepflanzt. Ein extensives Gründach ist pflegeleichter, als man meinen mag. Es wird durch Regen bewässert, nicht gemäht, nur einmal pro Jahr jätet man Unkraut. Diese Dächer halten die Hälfte des durchschnittlichen Jahresniederschlags zurück. Deutlich teurere und pflegeintensivere bewältigen die gesamte Menge. Auf dem begrünten Dach der Berliner Max-Schmeling-Halle sorgen grasende Schafe für dessen Pflege. 

In vielen Großstädten sind Flächen rar, in denen Wasser versickern kann. Indem man öffentliche Parkplätze entsiegelt, also Asphalt durch Schotterrasen oder Rasengittersteine ersetzt, wird das Mikroklima verbessert und die Hochwassergefahr minimiert.

Die Berliner Wasserbetriebe legen zudem unterirdische Abwasserparkplätze an, in denen überschüssiges Wasser nach Starkregen zwischengelagert werden kann, bevor es abgepumpt wird. Insgesamt sollen 300.000 Kubikmeter Stauraum geschaffen werden.

pixabay

Eine „Jahrhundertflut“, wie sie sich im Sommer 2021 im Ahrtal ereignete, würde man durch Schwammstadt-Maßnahmen nicht ohne Weiteres verhindern. In Bergregionen schießt Starkregen mit großer Geschwindigkeit die Felswände hinab ins Tal, in den darunterliegenden bewaldeten Regionen entstanden in diesem Fall Schlammlawinen, die Tausende Häuser beschädigten oder zerstörten.

Berlin liegt auf einer Ebene, und obwohl heftige Regenfälle auch hier zu Überflutungen führen, verliefen die Auswirkungen bisher nicht annähernd so katastrophal.

Die durch den Klimawandel bedingte Intensivierung des Wasserkreislaufs macht schwere Unwetter auch in Zukunft wahrscheinlich. Doch es gibt einen weiteren Grund, in nachhaltiges Wassermanagement zu investieren. Durch steigende Temperaturen und weniger Regen in den Sommermonaten registrieren Hydrologen auch in Deutschland zunehmende Dürreperioden. Da Wasser ein elementarer Grundstoff für das Leben von Menschen, Tieren und Pflanzen ist, sollte mit dieser wertvollen Ressource so schonend und sparsam wie möglich umgegangen werden.

Neubauprojekt BUWOG Helling-Hof. Bild: BUWOG

In Berlin-Köpenick, am Ufer der Dahme, entsteht derzeit ein weiterer Bauabschnitt des Neubau-Quartiers 52° Nord mit dem Projektnamen „BUWOG Helling-Hof“. Freuen Sie sich auf über 100 weitere Eigentumswohnungen.

Aktuelle Neubauprojekte in Berlin und Umgebung finden Sie auf dem neubau kompass.

Text: Birgit Unger

Titelbild: pexels/pixabay

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