Im Gespräch mit Kyrill Radev, CEO der Ziegert Group

Digitalisierung spielt auf dem Immobilienmarkt eine immer größere Rolle. Ein Unternehmen, das diese Entwicklung maßgeblich vorantreibt, ist die Ziegert Group. Wir sprachen darüber und über die Entwicklung des Immobilienmarktes in Berlin und Brandenburg mit Kyrill Radev, der seit Ende 2020 neben Nikolaus Ziegert CEO der Ziegert Group ist.

Kyrill Radev, CEO Ziegert Group

Herr Radev, wie hat sich aus Ihrer Sicht der Immobilienmarkt seit Corona verändert?

Kyrill Radev: Wohnen und Wohnkomfort haben einen höheren Stellenwert bekommen. Die Menschen haben mehr Zeit Zuhause verbracht und entdeckt, wie wichtig ein attraktives Lebensumfeld ist. Nach kurzer Zurückhaltung erlebten wir bei Ziegert sogar eine höhere Nachfrage. Dabei wurden insbesondere Einheiten mit Nähe zum Grünen, eigenen Gärten, Balkonen und mehr Zimmer gesucht. Und auch die Ausstattungsqualität ist wichtiger geworden. In unserem Projekt Helmhouse in Prenzlauer Berg waren z.B. innerhalb weniger Tage die 5-Zimmer-Wohnungen reserviert. Dazu hat auch das vermehrte „Work from Home“ beigetragen. Trends wie Wohnen im Umland, kompakte und flexibel nutzbare Grundrisse sowie Nachhaltigkeit wurden durch die Pandemie-Effekte als Nachfragetreiber noch verstärkt. Der Nachfrageüberhang hat sich in der Pandemie verschärft, auch weil weiterhin zu wenig gebaut wurde und sich Baugenehmigungen verzögert haben. Jedes Jahr fehlen 20.000 Wohnungen in Berlin. Ich hoffe sehr, dass die neue Regierung gemeinsam mit der Privatwirtschaft eine Wohnungsneubauoffensive auf den Weg bringen wird.

Welche neuen Anforderungen stellen Kunden an die Konzeption von Wohnungen?

KR: Der Markt hat sich differenziert – ein Teil schaut auf Preis-Leistung, andere sind bereit sehr viel für Top-Produkte in Top-Lagen zu zahlen, stellen dann aber höchste Ansprüche an Qualität und Materialien. Ausstattungswünsche sind anspruchsvoller und individueller, digitale Ausstattung, KfW -Förderungen etc. sind wichtiger geworden.

Eines Ihrer Fachgebiete sind innovative Konzepte für nachhaltiges Bauen. Könnten Sie uns einige davon nennen, die bereits bei der Ziegert Group umgesetzt werden?

KR: Bis 2024 realisiert die INCEPT GmbH als Teil der Ziegert Group unter dem Namen Kokoni One ein Quartier von 84 Doppel- und Reihenhäusern im Norden Berlin-Pankows. Mit diesem Projekt setzten wir einen neuen Maßstab in der Baubranche. Kokoni One verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz: Klimapositive Holztafelbauweise, ein fossilfreies Energiekonzept, der Einsatz von recyclebaren Materialen, flexible Grundrisse, unbedenkliche Baustoffe sowie Gemeinschaftsflächen, sorgen für ein nachhaltiges Miteinander. Kokoni One ist als Energieeffizienz-55-EE Haus klassifiziert und wurde beim DENA Energiewende-Kongress 2020 in der Award-Kategorie für neue, innovative Konzepte ausgezeichnet. Kokoni One ist der Auftakt einer komplett nachhaltigen Quartiersentwicklung für die Ziegert Group – das zweite Kokoni-Projekt ist bereits in der Planung.

„Digitalisierung in der Immobilienvermarktung“. Neben Video-Calls und Online-Besichtigungen – welche weiteren Möglichkeiten nutzen Sie, um den Käufern ein bestmögliches Besichtigungserlebnis zu bieten?

KR: Für die Ziegert Group bietet die Digitalisierung große Wachstumschancen. Fast 90 Prozent aller Immobilien-Interessierten beginnen ihre Recherche online. Auf unserer eigens entwickelten EverEstate-Plattform können Kunden bereits seit 2 Jahren virtuelle 3D-Besichtigungen durchführen. Zudem bieten wir seit Jahren digitale Exposees mit erstklassigen Visualisierungen an, die wir intern designen, um unseren Kunden insbesondere Neubauprojekte besser zu veranschaulichen. Bei ausgewählten Projekten haben Kunden auch die Möglichkeit, mittels VR Brille eine virtuelle Besichtigung zu erleben. Die Digitalisierung der Branche, die wir aktiv mitgestalten, ermöglicht es unseren Kunden z.B. vom dynamischen Pricing und Empfehlungen für Produktumgestaltungen zu profitieren. Auf B2B-Ebene können wir als Ziegert Group Bauträgern Echtzeit-Reports und Status-Abfragen aktueller Projekte zur Verfügung stellen und bieten damit maximale Transparenz.

Ihre Vision für die Zukunft: Wie wird sich der Immobilienmarkt speziell im Hinblick auf die Digitalisierung in den nächsten Jahren entwickeln?

KR: Die Pandemie hat wie ein Katalysator gewirkt, aber die Immobilienbranche hat noch viel aufzuholen. Wir als Ziegert Group haben im Geschäftsbereich „Digital Ventures“ in den letzten Jahren bereits zwei erfolgreiche Proptechs hervorgebracht hat und arbeiten weiter daran, digitale Aspekte noch stärker in die Vermarktung, das Reporting und den Kaufprozess zu integrieren. Mit unserer digitalen Plattform EverEstate bieten wir bereits heute einen von Anfang bis Ende digitalisierten Verkaufsprozess an (Suchprofil, Besichtigung, Datenraum, sogar den Vertreter für den Notartermin kann man benennen). Wir begleiten den Prozess persönlich mit unseren Verkaufsexperten, um die beste individuelle Beratung zu bekommen. Diese Digitalisierung mit einem persönlichen Antlitz sehen wir als das Erfolgsgeheimnis in der Immobilienbranche und wollen es in der Zukunft weiterentwickeln und die Customer Journey weiter verbessern.

unsplash/Maxim Hopman

Insbesondere wollen wir noch datengetriebener Arbeiten, um den Kunden algorithmisch, die zu ihren Bedürfnissen perfekt passenden Immobilien zu empfehlen und nahtlos mit der passenden Finanzierung zu versehen. Ein möglicher Entwicklungsweg ist, dass Kaufinteressierte den Makler innerhalb einer virtuellen Welt treffen werden – auch, um das virtuelle Objekt nach den eigenen Vorstellungen hinsichtlich Farbgebung, Raumaufteilung und Ausstattung zu gestalten. Wir hoffen, dass auch Kaufprozesse in Zukunft komplett digital durchgeführt werden, inklusive Notartermin. Dafür sind aber Erleichterungen durch den Gesetzgeber nötig.

Noch eine abschließende Frage zur Marktentwicklung in Berlin/Umland. Wohnen im Umland, speziell in Brandenburg, spielt seit Corona eine immer größere Rolle bei der Immobiliensuche. Welche Standorte sind derzeit im Brandenburger Umland besonders gefragt?

KR: Der Berliner Speckgürtel, insbesondere im Südwesten, ist extrem gefragt, das spiegelt sich auch in den Preisen wider, die teils bereits über Berlin-Niveau liegen, z.B. in Kleinmachnow, Teltow und Potsdam. Durch das neue Tesla-Werk wird der Osten und durch den BER der Südosten stärker nachgefragt, davon profitieren Erkner, Fredersdorf-Vogelsdorf, Hoppegarten und Grünheide. Auch Köpenick und das dortige Ziegert-Projekt Am Generalshof mit idyllischer Wasserlage zählen dazu. Zudem erfreuen sich aktuell Schönefeld, Glienicke/Nordbahn, Michendorf, Seddiner See, Beelitz und Wildau mehr Beachtung. Hier haben wir auch über Metatrust kürzliche sehr erfolgreiche Globalverkäufe realisiert. Der Radius der in Frage kommenden Wohnlagen für Menschen, die in Berlin arbeiten, weitet sich aus, sodass auch Außen-Lagen wie Beelitz-Heilstätten und Fredersdorf-Vogelsdorf attraktiver werden. Zu einer Entspannung des Berliner Wohnmarktes wird der Umland-Trend aber nicht führen, da das Wohnangebot in Berlin, aufgrund zu langsamer und bürokratischer Genehmigungsprozesse, dauerhaft knapp ist.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Titelbild: das Neubauprojekt Helmhouse in Prenzlauer Berg (Ziegert Group)

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