Neue Entwicklungen im Dragoner Areal

Endlich gibt es Neuigkeiten zu einem der größten innerstädtischen Entwicklungsgebiete Berlins: Ende Januar 2020 wurde der nichtoffene Wettbewerb für den städtebaulichen Entwurf zur Entwicklung des insgesamt 13,6 Hektar großen Geländes des Rathausblocks Kreuzberg, in dessen Mitte das Dragoner Areal liegt, entschieden. 500 Wohnungen soll die ‚Stadt in der Stadt‘ künftig beheimaten. Aus den finalen Entwürfen dreier Teams ging der der Planungsgemeinschaft SMAQ Architektur und Stadt mit Man Made Land und Barbara Schindler als Sieger hervor. Die Ausarbeitung der Entwürfe unter Einbeziehung der Interessen von ortsansässigen Gewerbetreibenden, Anwohnern, Verwaltungsmitarbeitern und Politikern hatte fünf Monate in Anspruch genommen.

Wie soll das Dragoner Areal aussehen?

Optisch hebe der Siegerentwurf die historische Differenz zwischen der ehemaligen Kasernenanlage und der gründerzeitlichen Blockrandbebauung hervor, so der Vorsitzende der Jury, Professor Rudolf Scheuvens. Gleichzeitig schaffe er ein neues, ausdrucksstarkes Stadtquartier. Das Konzept biete großzügige, offene Räume, die zur Begegnung einladen und sich gut mit der Nachbarschaft vernetzen. Die denkmalgeschützten Gebäude würden angemessen respektiert. Stadtbaurat Florian Schmidt strebt eine Stadtentwicklung an, die „orientiert an den Bedürfnissen von Menschen ist, die steigende Mieten und Verdrängung fürchten“.

Das den Entwürfen zugrundeliegende Postulat ist, die Fläche zu einem Stadtquartier mit Modellcharakter zu machen. Eine Art von Kiez für alle, mit anderen Worten ein ökologisch zukunftsweisendes, inklusives Wohn- und Gewerbegebiet, das ebenso bezahlbaren Wohnraum wie Raum für ein kooperatives Miteinander, Soziales und Kultur bietet. Dies wird zu baulicher Dichte führen, die sowohl von der Formgebung her als auch in der Auswahl der zu verwendenden Materialien Beachtung finden muss.

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Bild: Zebralog

 

Die Respektierung der denkmalgeschützten, historischen Gebäude äußert sich unter anderem in der Beibehaltung der fünfeckigen Form der ehemaligen Kaserne, um welche herum sich erst im 19. Jahrhundert eine viereckige Umschließung durch weitere Gebäude entwickelte. Zu letzteren zählen Rathaus und Finanzamt, die mit Erweiterungsbauten versehen werden sollen. Die charakteristische pentagonale Kontur stellt eine Art Rahmen für die drei Baufelder dar, die auf dem dreiteiligen Areal der Kaserne Gestalt annehmen. So bleibt die Zeitgeschichte unterschiedlicher Stadtplanungsphasen in diesem zukunftsweisenden Bauvorhaben sichtbar.

Auch darüber hinaus werden die Anforderungen des Denkmalschutzes in Bezug auf die im Inneren des Sanierungsgebiets Rathausblock liegenden Gebäude der Dragoner-Kaserne berücksichtigt: Die Reithallen, eingeschossigen Stallgebäude und Remisen, in denen Gewerbe, Kultur- und Bildungsangebote untergebracht sind, sollen ebenso wie die Adlerhalle erhalten bleiben und werden in die Planungen integriert.
Die historische Mittelachse der Kaserne gelangt in dem Entwurf zu neuer Bedeutung: die neue Mittelachse wird die Funktion eines Kiezhofs und Austauschplatzes innehaben. Eine Abfolge von Plätzen wird sich hier vom Finanzamt aus über die Adlerhalle bis hin zum sogenannten Quartiersforum bilden. Ein sechzehnstöckiger Wohnturm entsteht im Zentrum dieser Achse. Wohnraum entsteht zum einen innerhalb dieses Wolkenkratzers, der ein weithin sichtbares Element der Mittelachse des Quartiers darstellt, zum anderen innerhalb von Häuserreihen, die sich entlang der Außenlinien des Areals erstrecken. Die Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte erstellt 400 der Wohnungen, weitere 100 realisieren gemeinwohlorientierte Dritte. Im Rahmen der Erschaffung bedarfsgerechten Wohnraums sollen unter anderem Projekte für generationsübergreifendes und gemeinschaftliches Wohnen entstehen.

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Impressionen vom Planungsareal. Bild: Erik-Jan Ouwekerk/ Berlin.de

Insgesamt 26.000 Quadratmeter des Quartiers sollen für Verwaltung, soziokulturelle Infrastruktur, Freiraumangebote und Gewerbe verwendet werden. Unter anderem werden hier
ein Kindergarten, eine Kindertagesstätte, eine Kiezkantine mit Atelier, ein Jugendclub, ein überdachter Platz für Märkte, Sport und Workshops sowie ein quartiereigenes Forum entstehen.

Ein individuelles Charakteristikum wird die „Grüne Fuge“ darstellen: kooperativ genutzte Gartenbereiche, die als Ort der Begegnung dienen.
Zahlreiche begrünte Freiräume sorgen zusammen mit den begrünten Dächern der Neubauten für klimawirksame ökologische Nachhaltigkeit. Neben Klimaschutz und der Kultivierung von Obst, Gemüse, Kräutern und Blumen steht hier das soziale Miteinander im Zentrum des Interesses. Weitere klimafreundliche Planungsaspekte sind die autoarme Konzeption des Quartierinneren und das ressourcenschonende Regenwassermanagement.
Die Grüne Fuge wird zwischen der Blockrandbebauung und dem ehemaligen Kasernen-Areal liegen. Die Bestandsbäume, welche teilweise noch aus der Zeit der militärischen Nutzung des Gebiets stammen, bleiben so weit wie möglich erhalten. Darüber hinaus soll der Baumbestand durch Gehölzarten wie den Europäischen Zürgelbaum (Celtis australis) bereichert werden.

Bereits vorhandenes Gewerbe, darunter ein Biomarkt, der Club Gretchen, verschiedene Handwerksbetriebe und Kfz-Werkstätten werden ihre Flächen beibehalten. Ebenso die Urbane Fabrik als Standort innerstädtischer Produktion, die mit einer Gewächshauslandschaft auf dem Dach ausgestattet wird, welche den ganzjährigen Anbau von Kräutern, Obst und Gemüse ermöglicht. Die Freiflächen, welche das gesamte Areal durchziehen, können unter anderem als Werkhöfe genutzt werden. Weitere Werkstattformen und Gewerbeflächen werden die bereits bestehenden ergänzen.

Es ist also eine bunte Mischung an Nutzungsarten, die auf dem Gelände des Dragoner Areals beheimatet sein wird.

Bisherige Entwicklung

Zuletzt haben wir im August 2019 über das Dragoner Areal in Kreuzberg berichtet. Zu diesem Zeitpunkt war der seit dem Jahr 2010 andauernde Streit um das Gebiet im Begriff, beigelegt zu werden. 2015 sollte es für 36 Millionen Euro vom Bund an einen privaten Investor verkauft werden, der bestehende Gebäude abreißen und an ihrer Stelle Luxuswohnungen errichten wollte. Dies wäre mit sozialer Verdrängung einhergegangen, weshalb Land und Anwohner sich dem Vorhaben entgegenstellten. Letztendlich erfolgreich, denn der Finanzausschuss im Bundesrat stoppte das Vorhaben. Trotz juristischer Kontroversen mit dem Investor gelang der Stadt Berlin im Sommer 2019 die Übernahme des Quartiers von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Nun sollen die besagten Grundstücke auf Dauer kommunales Eigentum bleiben.

Ein weiteres Neubauprojekt in Berlin-Kreuzberg: Wohnpanorama. Bild: Ziegert Bank- und Immobilienconsulting GmbH

Weitere Schritte auf dem Dragoner Areal

„Mit SMAQ haben wir eine belastbare, robuste Konzeption. Im nächsten Schritt geht es nicht nur um das Bauen, sondern um das Weiterentwickeln dieser Konzeption und des kooperativen Prozesses“, erklärte der Vorsitzende der Jury zum Siegerentwurf. Welche weiteren Entwicklungen stehen nun bevor? Zunächst einmal müssen Träger- und Finanzierungsmodelle erarbeitet werden, die die Umsetzung der gemeinwohlorientierten Ziele des Modellprojekts ermöglichen. Was bereits angestoßen wurde, ist das Bebauungsplanverfahren. Das Erreichen der Planreife des Projekts wird für das dritte Quartal 2021 angestrebt, bis Herbst 2021 sollen die Pläne beschlossen sein. Mit dem Abriss der nicht denkmalgeschützten Gebäude als initiale Baumaßnahme soll im Herbst 2021 begonnen werden.

Während auf dem Dragoner Areal die Planungen auf Hochtouren laufen, entstehen in Berlin-Kreuzberg weitere interessante Neubauprojekte, zum Beispiel „Wohnpanorama“ mit insgesamt 92 Eigentumswohnungen.

Weitere Neubauprojekte in Berlin und der Region finden Sie auf dem neubau kompass.

Titel: SenStadtWohnen Berlin | Dirk Laubner

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