Potsdam: ehemalige Kaserne Krampnitz wird neues Quartier für 10.000 Menschen

Im Norden von Potsdam entsteht ein neuer Stadtteil der Superlative, was schon die Bauzeit von 10 bis zwanzig Jahren erahnen lässt. In dem Stadtquartier auf dem Gelände der ehemaligen Militär-Kaserne Krampnitz sollen rund 10.000 Menschen wohnen. Bis zu 4.900 neue Wohneinheiten sind geplant. Krampnitz – Potsdams neuer Norden.

Visualisierung des Eingangsbereiches von Krampnitz (Bild: Müller Reimann Architekten). Visualisierung des Eingangsbereiches von Krampnitz (Bild: Müller Reimann Architekten).

Das Entwicklungsgebiet Krampnitz im Norden Potsdams liegt in der Seenlandschaft am Rande des Naturparks Döberitzer Heide, zwischen dem Fahrländer See und dem Krampnitzsee. Auf dem 140 Hektar großen Kasernengelände Krampnitz entsteht ein Stadtquartier zum Wohnen und Arbeiten. Geprägt wird der neue Stadtteil Potsdams von viel Grün, Wasser und der Historie der einstigen Militär-Kaserne Krampnitz.

Alte Kaserne Krampnitz wandelt sich zum neuen Quartier

Nach Angaben der Landeshauptstadt Potsdam liegt die Kaserne Krampnitz auf dem Gemeindegebiet der ehemaligen Gemeinden Krampnitz und Fahrland. Das südliche Randgebiet gehörte früher Neu Fahrland. Die drei Gemeinden sind seit dem Bau der „Heeres Reit- und Fahrschule und Kavallerieschule Krampnitz“ ab den 1930er Jahren immer wieder von Gebietsreformen betroffen worden.

Das Kasernengelände Krampnitz und die Gemeinden gehören seit 2003 zur Landeshauptstadt Potsdam. Daraufhin beschloss die Landeshauptstadt Potsdam 2013, das Gelände der ehemaligen Kaserne als städtebaulichen Entwicklungsbereich (gemäß § 165 Baugesetzbuch) förmlich festzusetzen. Als treuhänderischer Entwicklungsträger wurde der Entwicklungsträger Potsdam, eine Tochter der ProPotsdam GmbH, mit der Durchführung und Umsetzung der städtebaulichen Maßnahme beauftragt.

Der Entwicklungsträger Potsdam bezeichnet Krampnitz als „Potsdams neuer Norden“. Geplant ist ein Quartier zum Wohnen, Arbeiten und Leben. Das Quartier soll so entwickelt werden, dass die Neubauten in die denkmalgeschützten Bestandsgebäude und die bestehenden Strukturen integriert werden. Das Ziel ist, den historischen Charakter von Krampnitz zu bewahren.

So sieht das ehemalige Kasernengelände Krampnitz derzeit noch aus:

Bild: Benjamin Maltry

Der Masterplan: „Wohnen in Potsdam Krampnitz“

Als Sieger des zweiphasigen städtebaulichen Realisierungswettbewerbs „Wohnen in Potsdam Krampnitz“ gingen 2018 die Machleidt GmbH (Berlin), die SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH (Berlin), die SHP Ingenieure GbR (Hannover), Winkelmüller Architekten GmbH (Berlin) und p.a. performative architektur (Stuttgart) hervor.

Das ist der Masterplan für den Entwicklungsbereich Krampnitz:

Bild: Machleidt GmbH, SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH

Bis zu 4.900 neue Wohneinheiten

Zunächst einige Fakten über das neue 140-Hektar-Quartier Krampnitz: in dem auf 10.000 Bewohner ausgelegten Quartier entstehen bis zu 4.900 Wohneinheiten mit einer Wohnungs-Bruttogeschossfläche von circa 523.500 Quadratmetern.

Für die Nutzungsmischung der Wohnungen sind unter anderem Eigentums-, Miet- und Sozialwohnungen vorgesehen. Der Gebäudemix aus Einfamilien- und Reihenhäusern sowie Geschosswohnungsbauten im denkmalgeschützten Bestand und Neubau soll Wohnraum für die verschiedensten Bevölkerungsschichten bieten: von Singles, Studierenden, Alleinerziehenden, Paaren und Familien mit Kindern bis zu älteren Menschen.

Deutsche Wohnen baut im Quartier

Zu den bis zu 4.900 Wohneinheiten will die Deutsche Wohnen SE zum Beispiel rund 1.400 Wohnungen beisteuern. Die Deutsche Wohnen Construction and Facilities GmbH aus Berlin beauftragte die Thomas Müller Ivan Reimann Gesellschaft von Architekten mbH, ebenfalls aus Berlin, mit der Generalplanung für die 1.400 Wohnungen der Deutsche Wohnen.

Der Entwurf des Architektenbüros Thomas Müller Ivan Reimann Gesellschaft von Architekten mbH für Deutsche Wohnen sieht im ersten Bauabschnitt 276 Wohneinheiten und in der zweiten Bauphase 224 Einheiten vor. Die 1- bis 4-Zimmer-Wohnungen werden in den Bestandsgebäuden der Kaserne realisiert. Die geschädigten Dachkonstruktionen werden wiederhergestellt, informiert die Thomas Müller Ivan Reimann Gesellschaft von Architekten mbH. Auch die aus Sichtmauerwerkschale bestehenden Fassaden werden erneuert, die nach der Fertigstellung so aussehen:

Bild: Thomas Müller Ivan Reimann Gesellschaft von Architekten mbH

Der grüne all-inclusive-Stadtteil

Die ProPotsdam GmbH als Entwicklungsträger des Quartiers nennt Krampnitz einen „all-inclusive-Stadtteil“. Gemeint ist damit eine grüne Stadt der kurzen Wege, die alles für komfortables Wohnen und Leben bietet. Ein „soziales Band“ soll ein Stadtteilzentrum, Bürgerhaus, eine Bibliothek, einen Jugendclub, eine Grund- und eine weiterführende Schule bieten. Geplant sind außerdem sieben Kindertagesstätten, Flächen für den Einzelhandel- und Dienstleistungen, beispielsweise ein Ärztehaus.

Der bestehende Kiefernpark von Krampnitz dient als große Grünfläche im neuen Quartierszentrum:

Bild: Machleidt GmbH

Die Architekten von Machleidt Städtebau + Stadtplanung als einer der Wettbewerbs-Sieger beschreiben auf ihrer Website das Konzept für Krampnitz:

„Die funktionale, orthogonale Strenge der Kasernenfigur ist längst atmosphärisch überlagert vom Vordringen von Wald und Wildnis. Es ist schon das Gebot einer angemessenen Ökonomie mit den vorhandenen Straßen- und Baustrukturen weiterzuarbeiten. Darüber hinaus bietet sich aber auch die Chance der Entwicklung einer ortsspezifischen Unverwechselbarkeit in der Formulierung des Wechselspiels zwischen der Strenge der gebauten und der Wildnis der grünen Stadt.

Für Krampnitz entwickelt sich dabei eine signifikante Grundfigur die sich aus den Relikten der historischen Kaserne selbstverständlich weiterentwickelt. Im Mittelpunkt steht dabei die Fortführung der ost-westlichen Doppelachsen der Kaserne. Die neue Stadt wird so geprägt vom äußeren Alleenring als Haupterschließung und dem zentralen Kiefernpark der den verwilderten großen Reitplatz als urbanen Park erweitert.“

Die Straßenbahn-Anbindung für Krampnitz kommt

Der Masterplan für Krampnitz beinhaltet auch ein Mobilitätskonzept. Der Anteil des motorisierten Individualverkehrs durch Autos soll reduziert werden. Stattdessen steht der Gedanke im Fokus, attraktive Fuß- und Radwege im Quartier zu schaffen

Um den motorisierten Verkehr in dem Stadtteil möglichst zu vermeiden, sollen die Autos gesammelt in sieben über den Stadtteil verteilten Quartiersgaragen geparkt werden. Außerdem sind Carsharing- und Bikesharing-Stationen und Ladestationen für E-Autos sowie Pedelecs vorgesehen.

Künftig soll die Straßenbahn bis nach Krampnitz und weiter bis nach Fahrland fahren und den neuen Stadtteil anbinden. Derzeit läuft die Planung für die Weiterführung der Bahn-Trasse vom Campus Jungfernsee in Richtung Norden, berichtet die Landeshauptstadt Potsdam. Die Tram- und Bushaltestellen binden das neue Quartier Krampnitz an den öffentlichen Nahverkehr an.

Erste Bewohner: 2021

Auch wenn es noch weit über ein Jahrzehnt dauern wird, bis Krampnitz fertiggestellt ist: der Entwicklungsträger ProPotsdam rechnet 2021 mit den ersten Bewohnern im neuen Quartier.

Noch weiter nördlich als Potsdams künftiger Stadtteil Krampnitz, außerhalb von Potsdam in Nauen, entsteht ein weiteres Neubau-Quartier mit 42 Reihenhäusern: der „Wohnpark Am Feld“. Die 3- bis 5-Zimmer-Reihenhäuser realisiert die DRH Deutsche Reihenhaus AG.

Der „Wohnpark Am Feld“ in Nauen mit 42 neuen Reihenhäusern umfasst 12.529 Quadratmeter (Bild: DRH Deutsche Reihenhaus AG).

Der „Wohnpark Am Feld“ in Nauen mit 42 neuen Reihenhäusern umfasst 12.529 Quadratmeter (Bild: DRH Deutsche Reihenhaus AG).

Weitere Neubau-Vorhaben im Großraum Berlin finden Sie auf dem neubau kompass.

Unser Titelbild (Quelle: Müller Reimann Architekten) zeigt eine Visualisierung des Eingangsbereiches von Krampnitz.

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