Landsberger Allee Berlin: Holzhaus Walden 48 entsteht auf St. Georgen Friedhof

Sechs Geschosse, 44 Eigentumswohnungen und 60 Meter Länge: In der Landsberger Allee in Berlin zwischen Friedrichshain und dem Prenzlauer Berg errichtet die Baugruppe Walden 48 ein Holz-Wohnhaus. Neben der zukunftsweisenden Holzbauweise ist das Grundstück bemerkenswert: Die Stadt Berlin gibt für den neuen Holzbau einen Teil des St. Georgen Friedhofs auf, um damit Platz für innerstädtischen Wohnungsbau zu schaffen.

In der Landsberger Allee in Berlin entsteht das HOlzhaus Walden 48.

Hinter dem Neubau-Vorhaben Walden 48 in der Landsberger Allee steht eine Baugemeinschaft. Die Privatpersonen nutzen dafür gemeinsam ihre Finanzierungsmöglichkeiten. Am Ende erwerben sie die Eigentumswohnungen. Die Baugemeinschaft bezeichnet sich als ökologisch orientierte, multinationale und dem Holzbau verbundene Baugruppe, die sich zum Ziel gesetzt habe, in der Mitte Berlins einen beispielhaften, kostenbewussten und ästhetisch sowie atmosphärisch anspruchsvollen Wohnungsbau zu errichten.

Zu der Baugruppe gehören nach eigenen Angaben Alleinstehende, junge Familien mit Kindern und Menschen fortgeschrittenen Alters aus Deutschland, Großbritannien, einer Vielzahl asiatischer Länder und den Vereinigten Staaten von Amerika. Nach der Fertigstellung des Holzhauses löst sich die Bauherrengemeinschaft auf und wandelt sich in eine Gemeinschaft nach Wohnungseigentumsgesetz um.

Das Planungs-Team der Walden 48 GbR besteht nach Unternehmensangaben aus: Jörg Mauer Bauprojektmanagement, dem Architekturbüro Anne Raupach, der Scharabi Architektur und Projektmanagement GbR und Kristian Wulkau als Verantwortlicher für die Öffentlichkeitsarbeit.

Für den Neubau aus Holz spricht die zeitsparende Bauweise. Die Walden 48 GbR schreibt, dass der Rohbau in weniger als zwei Monaten vollständig errichtet werden könne. Mit den Bauvorbereitungen sei bereits begonnen worden.

Zwischen Friedrichshain und Prenzlauer Berg

Die Lage beschreibt Walden 48 so: Das Grundstück liege am oberen Rand des St. Georgen Friedhofs in der Landsberger Allee 48 an der Schnittstelle zwischen Friedrichshain und dem Prenzlauer Berg. Vom fertiggestellten Holzhaus ergebe sich auf der straßenabgewandten Südseite ein weiter Blick über den Friedhofspark. Straßenseitig erstrecke sich der Blick über das historische Klinkereingangsgebäude des Vivantes Klinikums auf den Volkspark Friedrichshain bis hin zum Fernsehturm am Alexanderplatz.

Friedhofs-Geschichte hinter denkmalgeschützten Mauern

Das Baugrundstück befindet sich auf dem rund 10 Hektar großen Friedhof Georgen-Parochial II. Am nordöstlichen Friedhofsrand, hinter der denkmalgeschützten Friedhofsmauer, liege das bislang als Parkplatzfläche genutzte künftige Bau-Areal. Die Bebauungs-Fläche sei nach Kenntnis der Walden 48 GbR niemals als Bestattungsfläche verwendet worden. Ursprünglich habe es als repräsentativer Eingangsbereich fungiert, dann als Friedhofs-Betriebsfläche und seit einigen Jahrzehnten als Pkw-Stellfläche für die Besucher. Gründungszeitraum des Friedhofs seien die Jahre 1848 bis 1850, wobei die weiter südlich gelegenen Flächen wohl schon um das Jahr 1750 für Begräbnisse verwendet worden seien.

Herausforderung: Friedhofs-Denkmalschutz und Stadtverkehr

Nach Informationen der Scharabi Architektur und Projektmanagement GbR soll das Bauprojekt in reiner Holzbauweise unter Berücksichtigung eines nachhaltigen Energiekonzepts errichtet werden. Der Neubau müsse sowohl den denkmalgeschützten Teilen des Friedhofs als auch der Verkehrssituation an der stark frequentierten Landsberger Allee gerecht werden. Deshalb seien zur Straße hin Schallschutzmaßnahmen vorgesehen. In Südrichtung hingegen öffne sich der Holzbau mit tiefen Balkonen ins Grüne zum parkähnlichen Friedhofsgelände.

Berliner Senat schafft Flächen für Wohnungsbau

Die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen teilt in einer Pressemitteilung mit, dass mit dem Flächennutzungsplan für die Landsberger Allee 48 innerstädtische Wohnungsbauflächen aktiviert würden. Darüber hinaus seien aber auch nicht störende Dienstleistungs- und gewerbliche Nutzungen vorgesehen. Die großräumigen Freiraumbezüge zwischen dem Volkspark Friedrichshain und dem Friedhof blieben erhalten.

Ein weiteres Neubau-Vorhaben in Berlin ist die Gartenstadt „Grüne Aue“ am Grünzug der Wuhle (Foto: VERIMAG Vertriebs- und Marketingges. mbH)

Dachterrasse mit Fernsehturm-Blick

Aus der auf der Walden 48-Internetseite einsehbaren Wohnungsliste mit Übersicht über die Wohnungen geht hervor, dass bereits alle Wohnungen belegt und vergeben sind. Zur Auswahl standen beispielsweise Garten-, Maisonette-, Atelier- und barrierefreie Wohnungen. Die Wohnflächen liegen zwischen 55 m² und 165 m². Neben den Wohneinheiten sind auch Gemeinschafsflächen geplant, zum Beispiel ein Erdgeschoss-Gemeinschaftsraum und ein Gemeinschaftsgarten sowie eine gemeinschaftliche Dachterrasse mit Blick auf den Fernsehturm am Berliner Alexanderplatz.

150 Stellplätze für die nachhaltige Mobilität

Da die Tram-Station vor der Haustüre liegt und der S-Bahnhof Landsberger Allee rund einen Kilometer entfernt ist, sind die Wege zum öffentlichen Nahverkehr kurz. Deshalb verfügt der Baukörper in Holzbauweise über eine Tiefgarage mit 150 Stellplätzen: für Fahrräder, Fahrradanhänger und Kinderwagenstellplätze. Lediglich wenige Carsharing-Stellplätze sind geplant – wie bei den Gemeinschaftsräumen des Walden 48 steht auch hier das Teilen im Mittelpunkt.

Gut denkbar, dass der Neubau auf dem St. Georgen Friedhof in Berlin neben der modernen und nachhaltigen Holzbauweise als Bauform mit Potenzial auch die zukünftige Form der Pkw-Nutzung unterstreicht.

Weitere Neubau-Vorhaben in Berlin finden Sie auf dem neubau kompass.

Titelbild: Walden 48 GbR/Architekturbüro Anne Raupach/Scharabi Architektur und Projektmanagement GbR/Render-Manufaktur

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